Die Scientology-Organisation
eine Gefahr für die freiheitlich-demokratische Grundordnung unseres Landes
I. Entstehung
Scientology wurde 1954 in Los Angeles durch den Science-Fiction-Autor L. Ron Hubbard (1911-1986) gegründet, seit 1970 ist
sie in Deutschland aktiv. Weltweit hat die Organisation nach Schät-zungen des Bundesamtes für Verfassungsschutz
bis zu 125.000 Mitglieder, davon in Deutschland etwa 5.000 bis 6.000, Scientology selbst spricht von 12.000 Mitgliedern.
Grundlage der scientologischen Ideologie ist neben weiteren Schriften Hubbards sein 1950 veröf-fentlichtes Buch
"Dianetik - Die moderne Wissenschaft der geistigen Gesundheit", in dem er seine "Technologie" zur "Heilung
psychosomatischer Krankheiten und geistiger Störungen" darlegt. Im Laufe der 50er Jahre gründete Hubbard erste
"Dianetik-Zentren" in den USA. Hubbard erkannte schnell die wirtschaftlichen und steuerlichen Vorteile einer
Umwandlung seiner Organisation in eine Kir-che und erklärte sein Verfahren der Psychomanipulation zur Religion:
1954 wurde Scientology als "Church of Scientology international" gegründet.
II. Zielsetzung
Scientology betrachtet die von L. Ron Hubbard entwickelte Lehre als einzige Rettung einer angeb-lich vom Niedergang
gekennzeichneten Gesellschaft. Hubbards Techniken sollen Menschen "geis-tig befreien", um anschließend als nahezu
fehlerlos funktionierende "clears" bzw. höher trainierte "Operierende Thetane" die Kontrolle über ihre Umgebung
auszuüben. Die Schaffung des vermeint-lich neuen, omnipotenten Menschen mündet in einen dogmatischen politischen
Alleinvertretungs-anspruch: Durch "Expansion", d.h. durch eine fortwährend wachsende Zahl hochtrainierter
Sciento-logen in "Schlüsselpositionen" und durch Einführung von Hubbard-Verfahren auf breiter Front in Politik,
Staat und Wirtschaft will Scientology langfristig eine konfliktfreie und perfekt funktionie-rende scientologische
Gesellschaftsordnung errichten. Für den gesellschaftlichen Fortschritt sieht diese Programmatik vor, Gegner
zu "isolieren" und nur "Clears" Bürgerrechte zu gewähren. Dieses visionäre Ziel bezeichnet Scientology mit
"Clear Deutschland", "Clear Europa" und "Clear Planet".
Auf einer Expansionskonferenz in Brüssel wurde im April 2006 in diesem Zusammenhang die Er-öffnung von
Scientology-Repräsentanzen in europäischen Hauptstädten geplant. Als Teil dieser Expansionsstrategie kann nach
Brüssel, Madrid und London die Anfang 2007 eröffnete Zentrale in Berlin gesehen werden. Erklärtes Ziel der Sekte
ist es, verstärkt Scientologen in Entscheiderpositi-onen in Politik und Wirtschaft zu bringen und Einfluss
auszuüben. Auch in den Bundesländern sind Expansionsbestrebungen Scientologys zu beobachten: In Hannover ist
die Einrichtung eines ähn-lich großen Zentrums wie in Berlin geplant, in Stuttgart versucht Scientology seit
längerem, ein repräsentatives Gebäude zu erhalten. In der Freiburger Innenstadt ist Anfang 2007 ein sog.
"Zent-rum für Lebensfragen" eröffnet worden. In Berlin ist neben der Repräsentanz mittlerweile eine zusätzliche
Filiale in der Nähe des Kurfürstendamms eröffnet worden, weitere Filialen seien ge-plant.
III. Struktur
Das oberste Management Scientologys in den USA ("Religious Technology Center") führt die Or-ganisation nach einer
strengen Hierarchie: Es degradiert die Basis weitgehend zu Befehlsempfän-gern, erwartet hohe Einsatzbereitschaft
und fortwährende finanzielle Opfer. Dabei kann sich das Management bei der Durchsetzung seiner Vorgaben auf die
paramilitärisch organisierten Kader der "Sea Organization" ("Sea Org") stützen. Kennzeichnend ist die Schaffung
von Feindbildern und ein Weltbild, das Züge einer Verschwörungstheorie trägt: Eine "unter Drogen stehende Bevölkerung"
werde durch die Psychiatrie unmündig gehalten und kontrolliert. Insbesondere die Scientology-Hilfsorganisation
"Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte" (KVPM) führt deshalb immer wieder
Diffamierungskampagnen durch.
Im Innenverhältnis ist ein rigides System von Belohnungen und Strafen ("Ethik") und eine eigene "Justiz" vorgesehen.
Vor allem durch die umfassende Fragetechnik des "Auditing" und "Sicherheits-überprüfungen" am "E-Meter"
(eine Art einfacher Lügendetektor) sowie zusätzliche Kontrolle durch "Wissensberichte" der Scientologen
kann die Organisation intimste Kenntnisse über ihre Mitglieder erlangen und Kritiker frühzeitig erfassen.
Ein organisationseigener Nachrichtendienst ("Office of Special Affairs" - OSA) hat die Aufgabe, Kritiker und Gegner
auszuforschen und unter Umständen repressive Maßnahmen zu treffen: Gegner und "Abtrünnige" werden teilweise auf
unterstem Ni-veau geschmäht, herabgewürdigt und vor Gericht verklagt.
Nach Hubbard ist es ein Schwerverbrechen, sich öffentlich von Scientology abzuwenden. Als Ende Juli 2007 der
25-jährige Stiefsohn und die 14-jährige Stieftochter einer hochrangigen Scientologin aus der Org Berlin nach
Hamburg "geflohen" sind, um Hilfe bei der Arbeitsgruppe Scientology des Hamburger Senats zu suchen, welche unter
der Leitung von Ursula Caberta seit Jahren Scientolo-gy-Aussteiger betreut, wurde Caberta von den Eltern u. a.
wegen öffentlicher Äußerung auf Verlet-zung der Privatsphäre der 14-Jährigen verklagt. Ebenso ging die Sekte, wenn
auch vergeblich, im Juli 2007 juristisch gegen die Veröffentlichung von Ursula Cabertas lesenswerten "Schwarzbuch
Scientology" vor.
Die Scientology-Ideologie zielt darauf ab, Befehle kompromisslos durchzusetzen und Widerstand aus dem Weg zu räumen.
Kritik- und Kompromissfähigkeit - Grundvoraussetzungen für das Funk-tionieren eines demokratischen Gemeinwesens -
sind nicht erwünscht. Das Hubbard-Programm lässt keine Gewaltenteilung, die Bindung der Exekutive an Recht und Gesetz
oder das Recht auf Bildung einer Opposition erkennen. Die Scientology-Ideologie ist daher unvereinbar mit der
ver-fassungsmäßigen Ordnung der Bundesrepublik Deutschland.
IV. Mitgliedergewinnung
Um das eigene Vorwärtskommen bei Scientology zu gewährleisten, stehen Scientology-Mitglieder unter dem finanziell
bedingten Zwang unentwegt Neumitglieder, "Raw Meat", zu werben und lang-fristig an Scientology zu binden. Oft schon
beim ersten Kontakt dient ein 200 Fragen umfassender "Persönlichkeitstest" als Grundlage für die weitere
"Lebenshilfe". Dieser Test ist nach Angaben des Scientology-Aussteigers Wilfried Handl so präpariert, dass jeder
getesteten Person ein Problem diagnostiziert wird, für das Scientology Lösungswege anbieten könne.
Öffentlich stellt Scientology bei der Anwerbung neuer Mitglieder und Kunden den angeblich kari-kativen Charakter
ihrer "Sozialprogramme" zur individuellen Lebenshilfe in den Vordergrund, oft-mals, ohne dass der Name Scientology
erwähnt wird. Gezielt wird u. a. mit Hilfe von Nachhilfe-Instituten ("Applied Scholastics") und Programmen für
Drogenabhängige ("Narconon") auf junge Menschen, die in ihrer persönlichen Entwicklung möglicherweise noch nicht
gefestigt sind, bzw. auf psychisch labile Menschen zugegangen. Bundesweit gibt es 30 bekannte Nachhilfe-Institute
mit Verbindungen zu Scientology. Hinzu kommen weitere 60 bis 80 Tarnorganisationen. Seit Mai 2006 hat der Deutsche
Philologenverband wiederholt auf die verstärkten Aktivitäten Scientologys im Bildungsbereich aufmerksam gemacht und
Kriterien zur Bewertung von Nachhilfe-Instituten veröffentlicht.
Ebenso bieten Unternehmensberater und Managementtrainer innerhalb des Scientology-Wirtschaftsverbandes
"World Institute of Scientology Enterprises" ("WISE") Hubbard-Techniken und -Kurse oftmals an, ohne ihre Kunden über
den scientologischen Hintergrund zu informieren. Zutage tritt hier das rücksichtslose Macht- und Gewinnstreben
entsprechend Hubbards Devise "make money - make more money ...".
Fakt ist: Scientology wird unterschätzt. Jeder Mensch, egal welchen Bildungsgrads oder Alters kann - gerade durch
das zum Teil verdeckte Auftreten von Scientology - in die Fänge der Sekte geraten. Auch wenn der Rückweg aus
Scientology zunächst offen scheint, bildet sich im Laufe professionel-ler Psychomanipulation neben finanzieller
Verschuldung ein Abhängigkeitsverhältnis, aus dem sich die wenigsten Mitglieder wieder befreien können. Erste Hilfe
kann daher nur Aufklärung vor jedem Kontakt bedeuten. Es gilt zudem: Wer von Scientology verklagt wird, braucht
professionelle Hilfe, wer bedrängt oder bedroht wird, sollte sofort Kontakt mit der Polizei aufnehmen.
V. Beobachtung von Scientology
1997 hat die Innenministerkonferenz beschlossen, Scientology bundesweit durch das Bundesamt für Verfassungsschutz
zu überwachen. Das Verwaltungsgericht Köln hat diese Maßnahmen im Jahr 2004 als rechtmäßig eingestuft, wogegen
Scientology Berufung eingelegt hat. Eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Münster steht noch aus.
Nach Recherchen der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages wurde Scientology zwischen 2001 und 2005
in mindestens elf Bundesländern vom Verfassungsschutz beobachtet: Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg,
Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Im Jahr 2005 sind die
Verfassungsschutzbehörden in sie-ben Bundesländern betreffend Scientology aktiv gewesen. Berlin musste die
Überwachung auf Grund eines Urteils des Verwaltungsgerichts Berlin aus dem Jahre 2001 einstellen, hat aber die
Beobachtung Ende Mai 2007 wegen der zunehmenden Aktivitäten Scientologys in Berlin wieder aufgenommen.
Während es in den 90er Jahren noch eine große öffentliche Debatte über die von Scientology aus-gehenden Gefahren
gab, werden diese heute anscheinend nicht mehr ernst genommen. Auch die Aufklärungsarbeit von Medien und
staatlichen Stellen ist offenbar nicht mehr so ausgeprägt wie noch vor zehn Jahren. Aufklärung ist jedoch der
einzige Schutz vor Scientology.
VII Junge Union gegen Scientology
Auf Beschluss des JU-Deutschlandtages vom November 1991 ist eine gleichzeitige Mitgliedschaft in der Jungen Union
und der "Scientology Church" unvereinbar. Bereits Anfang der 90er veröffent-lichte die Junge Union Deutschlands
ihre Broschüre "Seelenriss", um über die Methoden von Scien-tology zu informieren. Im Scientology-Beschluss des
JU-Deutschlandtages von 1996 fordert die Junge Union zudem ein entschlossenes Vorgehen gegen die Scientology-
Organisation sowie u. a. die Beobachtung Scientologys durch das Bundesamt für Verfassungsschutz. Die Junge Union
Deutschlands sieht es als ihre Pflicht an, insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene intensiv auf die von
Scientology ausgehenden Gefahren hinzuweisen und gerade angesichts ihrer verstärk-ten Aktivitäten in Deutschland
einer Verharmlosung der Sekte entgegenzuwirken.
Anlässlich des Auftritts des hochrangigen Scientologen John Travolta bei "Wetten dass..?" forderte die Junge Union
Freiburg und der JU-Landesverband Baden-Württemberg das ZDF auf, den Schauspieler auszuladen. Mit einer
Flugblattaktion vor der Sendung informierte die Junge Union über Scientology. Zwar ist in der Sendung am 31.
März 2007 das Wort "Scientology" nicht gefallen. Dennoch geht mit dem Auftritt des Hollywood-Stars die
Scientology-Strategie auf, durch die bloße Präsenz von prominenten Mitgliedern für die Sekte zu werben.
Neben Travolta gehören u. a. Hollywood-Schauspieler Tom Cruise und Katie Holmes, Chick Corea,
Priscilla und
Lisa Marie Presley Scientology an. In Deutschland wurde im Jahr 2006 die Scientology-Mitgliedschaft von
Lindenstraßen-Darsteller Franz Rampelmann alias "Olaf Kling" bekannt. Auf Bundesebene hat sich die Junge
Union an die Verantwortlichen in den öffentlichen Medien gewandt, mit der Aufforderung Sciento-logy in Zukunft
keine öffentliche Plattform zu bieten.
Die Politik der Jungen Union beruht auf der Achtung des Menschen als einmaliger, unverwechsel-barer und
eigenverantwortlicher Persönlichkeit mit unantastbarer Würde. Schon deshalb gilt es, den Werbeversuchen von
Scientology durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit entgegenzuwirken und nachhaltig über Ziele und Strategien
der Sekte aufzuklären.
gez.
Deine Jungen Union!
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